Donnerstag, 13. Mai 2010

Ins Hummelkleid geschlüpft (Ein Tag im flauschigen Pelz einer fleissigen Erdhummel....)

Hmmm! Taubnessel-Nektar ist ge­nau die richtige Energiebombe für den Start in den Tag. Schließlich er­wartet die Königin heute wieder rund 4000 Blütenbesuche von mir, um mit Nektar und Pollen all die hungrigen Mäuler im Volk zu stopfen... auch das der Kö­nigin. Sie ist gerade so sehr mit dem Nach­wuchs beschäftigt, dass sie gar nicht mehr dazu kommt, selbst auf Nahrungssuche zu gehen. Naja, die Sonne scheint, der Himmel ist blau - also los, eigentlich hab ich doch ei­nen echt guten Job erwischt.

Dort hinten blüht auch schon Herzge-' spann. Meine absolute Lieblingspflanze - und offensichtlich auch die aller anderen Hum-% mein der Umgebung. Schnell, schnell, ich möchf noch einen guten Platz an der Nektar­bar erwischen...

Übrigens hat, nicht jede meiner etwa 100 Kolleginnen das Glück, als „Sammelhummer' zu arbeiten. Einige sind zum Babysitten abge­ordnet und verbringen den lieben langen Tag im dunklen Nest. „Stockdienst" heißt das bei uns: Honig- und Brutzellen bauen und vor al­lem die etwa 50 Larven füttern. Nichts für mich! Gott sei Dank bin ich mit meinen 17 mm ganz schön gross geraten, hab eine Men­ge Muskelmasse im Rücken und bin daher prädestiniert zur Sammelhummel im Aussen­dienst. Denn diese Muskelmasse verhilft uns zu einem ungemeinen Vorteil gegenüber den Honigbienen: Wenn's denen draußen noch viel zu kalt ist, werfen wir unsere körpereige­ne Heizung an, bringen uns auf mollige 35 °C und brummen los. Wie das geht? Kompliziert zu erklären aber wir können unsere Flügel auskoppeln und dann die Hugmuskeln spie­len lassen - dann wird uns warm. Menschen-verständlich ausgedrückt: Wir geben Vollgas und treten gleichzeitig auf die Kupplung.

Das kostet natürlich viel Energie. An den Sonnenblumen lässt die sich besonders einfach wieder auftanken. Da liegen in einem einzigen Kopf unzählige kleine, nektarreiche Einzelblütchen - sehr einladend, um hier einen gemütli­chen Spaziergang zu unternehmen und immer mal wieder vom Nektar zu schlürfen.

Da fällt mir ein: Dieses Gerücht, dass wir ja eigentlich viel zu plump seien, um mit so klei­nen Flügelchen fliegen zu können... Unver­schämtheit! Ganz abgesehen davon, dass wir selbstverständlich nur aufgrund unseres plü­schigen Pelzes so pummelig wirken, beweisen wir unsere Flugfahigkeit doch jeden Tag aufs neue. Wir haben nämlich nicht - wie dieser Rechnung zugrunde gelegt wurde - starre Flü­gelflächen, sondern eher kreisende Rotoren wie ein Hubschrauber. Damit geht's, und wie! Bis zu 20 km/h schnell sausen wir durch die Luft.

Also gleich weiter Richtung Beinwell. Der hat so leckeren Nektar! Da ist 'ne ganze Menge Zucker drin, aber egal, ich kann mir das leis­ten... wie gesagt, der Pelz macht's! Das Pro

blem beim Beinwell: Er hat ganz schön lange Blütenröhren. Da komm ich mit meinem recht kurzen Erdhummel-Rüsselchen von 9 mm Länge gar nicht an die Nektarien am Blütenbo­den. Vorteil für die Langrüssler, wie die Acker­hummeln mit ihren prahlerischen 13 mm, könnte man meinen. Aber ich bin ja nicht dumm! Mein Trick: Ich beisse ein winzig klei­nes Loch ins untere Ende der Blütenröhre. Da­durch komm auch ich an den köstlichen Zu­ckersaft. Juchhu.

So, nun aber genug des Nektars - mein Ho­nigmagen ist schon ganz voll. Auf dem Weg nach Hause werd' ich noch etwas Pollen sam­meln, in meinen kleinen Höschen an den Hin­terbeinen. Mit dem Pollen ist das auch so eine Sache: Bei manchen Pflanzen, den Wildrosen zum Beispiel, sitzt er wahnsinnig fest in den Staub beutelchen. Kein Problem: Ich halte mich an den Staubbeuteln fest, lasse meine Flug­muskeln wieder im Leerlauf spielen (wie beim Aufheizen) und sorge durch die entstehende Vibration dafür, dass der Pollen sich lockert. Eine ziemlich laute Angelegenheit, aber äu­sserst lohnenswert. Die eiweissreiche Nahrung brauchen unsere kleinen Larven im Nest ganz besonders dringend für ihre Entwicklung.

Puh, wenn ich richtig gezählt habe, war das jetzt Blüte 3897. Denke, das reicht für heute - ab nach Hause und im kuschligen Nest entspannen. Schliesslich liegt noch viel Arbeit vor mir, denn der Höhepunkt unseres Jahres, das Schlüpfen der Jungköniginnen und Drohnen beginnt erst Ende Juli. Für uns Arbeiterinnen heißt es dann: Abschiedneh­men von der Welt. Nächstes Jahr werden an­dere an unserer Stelle brummen...
c .Kerstin Ackermann

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